Schwedisches Frauenteam beim Volvo Ocean Race

Foto: Rick Tomlinson/ Team SCA

 

Seit dem 4. Oktober 2014 wird zum 12. Mal die längste und härteste Segelregatta der Welt ausgetragen - das Volvo Ocean Race.

Dieses Mal ist nach 13 Jahren wieder ein reines Frauenteam dabei. Das Team SCA wird vom schwedischen Hygieneartikelhersteller SCA (Svenska Cellulosa Aktiebolaget) finanziert. Es ist das erste Mal, dass die Frauen die absolut gleichen Bedingungen vorfinden wie die Männer. Das hat etwas mit der Entwicklung des Rennens zu tun.

 

1973/74 starteten erstmals 17 Yachten von Portsmouth aus zum Whitbread Round the World Race, einem Etappenrennen um die Welt. Damals waren es noch Fahrtenyachten aus Serienproduktion. Seitdem hat sich viel getan. Seit langem schon ist die Regatta kein Amateurrennen mehr, sondern ein kommerzielles Ereignis mit Profi-Seglern und Hightech-Yachten. 1997 stieg Volvo als Sponsor ein, weshalb das Ganze inzwischen einen leichten Schwedenbezug hat - dieses Jahr besonders, da der Zielhafen im Juni Göteborg sein wird. Seit 2002 hat Volvo alle Sponsorenrechte übernommen und die cirka 45.000 Kilometer lange Regatta heißt The Volvo Ocean Race.

 

Bei der aktuellen Ausgabe starteten zum ersten Mal sieben absolut identische Boote, die Volvo-Ocean-Race-65-Klasse, 20,37 Meter lang, alle von derselben Werft (Greenmarine) in Southampton gebaut. Durch die Einheitsklasse sollen die Kampagnen kostengünstiger und die Sicherheit erhöht werden. Bisher war der finanzielle Rahmen der einzelnen Kampagnen entscheidend für die Qualität der Ausrüstung und der Segler, die man verpflichten konnte. So spielte Geld eine maßgebliche Rolle in dem Rennen, das einmal als Amateurregatta begonnen hatte. Die Frauenteams, die bisher teilgenommen haben - es waren nur 4 in 40 Jahren, hatten leider nie vergleichbare Mittel wie die Männer. So segelte die Frauencrew auf Amer Sports II 2001/02 mit dem Trainingsboot der Amer Sports Kampagne. Durch die beim aktuellen Rennen eingeführte Einheitsklasse mit absolut identischer Ausrüstung, einer topgeschulten, in langer Vorbereitungszeit ausgewählten Crew und der Kompensation der physischen Überlegenheit der Männercrews (die Frauen segeln mit 11, die Männer mit 8 Personen Crew) hat das Frauenteam eine reelle Chance.

 

Foto: Corinna Halloran/ Team SCA/ Volvo Ocean Race

Foto: Corinna Halloran/ Team SCA/ Volvo Ocean Race


Schon im August 2012 gab SCA die Teilnahme am Volvo Ocean Race 2014/15 mit einer reinen Frauencrew bekannt. Es war das erste gemeldete Team und übernahm so auch das erste Boot der Einheitsklasse. Im Januar 2013 begann die Auswahl für das Team SCA. Dafür wurden im Trainingscamp auf Lanzarote um die 200 der besten Seglerinnen der Welt von vier Coaches "gecastet". Überschattet wurde die Vorbereitungszeit durch den Tod des schwedischen Coachs Magnus (Mange) Olsson, selber sechsmaliger Volvo-Ocean-Race-Teilnehmer, der völlig überraschend einen Schlaganfall erlitt. Allen war klar: Magnus hätte gewollt, das die Kampagne weiter geht - also startete das Boot des Teams mit dem Bild eines Albatros auf dem Rumpf, dem Symbol für einen auf See gebliebenen Segler...

 

Weiter ging es mit der Crewauswahl und schließlich waren 15 Frauen ausgewählt: eine Skipperin, 10 Crewmitglieder plus zwei Ersatzfrauen sowie zwei Onboard Reporterinnen (auf jedem Boot fährt erstmals ein Reporter mit, der die werftseitig verbauten Kameras bedient und den Multimediaauftritt betreut). Die Seglerinnen kommen aus den USA, Großbritannien, Australien, der Schweiz und Holland. Einzige Schwedin ist die Onboard Reporterin Anna-Lena Elled aus Göteborg, die erstmals auf der gerade gestarteten vierten Etappe von Sanya nach Auckland an Bord ist.

 

Nach drei von neun Etappen des Rennens liegen die Frauen auf Rang sechs von inzwischen nur noch sechs teilnehmenden Booten. (Das dänische Team Vestas Wind war während der zweiten Etappe nach einem Navigationsfehler auf ein Riff gelaufen. Alle Crewmitglieder blieben unverletzt, das Boot wurde zum Totalschaden erklärt.) Der Rückstand auf das fünftplatzierte spanische Boot MAPFRE beträgt 3 Punkte. Im aktuellen Rennen wurde ein neues Wertungssystem eingeführt, das sogenannte Low-Point-System: der Etappensieger bekommt einen Punkt, der zweite zwei usw. Wer am Ende die wenigsten Punkte hat, gewinnt. Es werden nur die Platzierungen der neun Ozeanetappen gezählt, nicht die der vor jedem Start gefahrenen In-Port-Races. Diese werden nur bei Punktegleichstand herangezogen. Noch ist alles offen. Mit dem Sieg bei einem der In-Port-Rennen hat die Frauencrew um Skipperin Sam Davies ihr taktisches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

 

Es liegt mir fern, die Kampagne unter dem Aspekt "emanzipierte Frauen gegen die chauvinistische Welt des Hochseeregatta-Segelns" zu sehen, wie das in diversen Presse-Artikeln zu lesen war. Obwohl sich wohl jede Frau, die segelt - egal ob Fahrten- oder Regattasegeln - schon den einen oder anderen Machospruch von Männerseite anhören musste. Doch die Zeiten ändern sich - und damit gehören hoffentlich auch Geschichten wie die der Bootseignerin, die sich von ihrem Segelclub sagen lassen musste, sie als Frau könne nicht die Hauptmitgliedschaft innehaben, der Vergangenheit an. Ihr Lebenspartner, der die Mitgliedschaft übernehmen sollte, hatte übrigens vom Segeln so gut wie keine Ahnung...

 

Aber ich sehe die Teilnahme des Frauenteams am männerdominierten Hochseeregattazirkus schon als ein Zeichen für alle Mädchen und Frauen - nämlich ihre Ziele nicht zu klein zu stecken, sich nicht entmutigen zu lassen. Man (und frau) kann fast alles, wenn die Leidenschaft für eine Sache groß genug ist.

 

Ich hoffe, dass ganz viele Frauen (und Männer) den weiteren Weg des schwedischen Frauenteams mitverfolgen, es unterstützen und ihm zujubeln, so wie sicher auch Kronprinzessin Victoria, die die Patin der Kampagne ist. Ich werde es auf jeden Fall tun!

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